Sie haben sich einen Gott von Gold gemacht. Vergib ihnen doch ihre Sünde!

2.Mose 32,31.32

 

Ein Gott aus Gold, ein goldenes Kalb statt des lebendigen Gottes – ist das nicht eine Geschichte für den Kindergottesdienst? Aber doch nichts für unser Zeitalter der Raumfahrt, der Computer und der Gentechnologie! Wir haben wirklich andere Sorgen!

Doch halt! Was hat es mit diesem Kalb eigentlich auf sich? Erst der spätere Spott der Israeliten ließ es zu einem solchen schrumpfen. In Wirklichkeit handelt es sich um einen ausgewachsenen, potenten Stier, Abbild eines Kolosses aus freier Wildbahn. Der Stier stand in der Umwelt Israels für die Fruchtbarkeit. Denn ohne das Geheimnis der Vermehrung gibt es keine Lebensmittel und auch kein Fortbestehen des Menschen.

Der Stier ist zugleich ein Symbol für Sexualität, Potenz und Lust. Aaron vergoldet ihn, um ihm Unvergänglichkeit zu verleihen. Um diesem Stier zu huldigen bereitet er eine rauschende Orgie vor, um das Göttliche rauschhaft und hautnah zu erleben. Was ist dagegen der unsichtbare, ferne Gott vom Sinai mit seinen strengen Regeln!

Und heute? An die Stelle des Stiers als Symbol der Fruchtbarkeit ist die Potenz des Kapitals getreten. Denn Geld regiert die Welt. Vor den Börsen steht der Stier für die Geldvermehrung. Die Rendite hält Menschen in Atem. Der Stier ist immer noch Symbol: Doch nun das der Kapitalakkumulation, d.h. der Geldvermehrung. Damit trifft unsere heutige Losung ins Zentrum: „Sie haben sich einen Gott aus Gold gemacht!“

Walter Hollenweger beschrieb die modernen Hochhäuser des Kapitals als eine Art von „Kirchen“. Wie im Mittelalter die Türme der Kirchen in den Himmel ragten und das Zentrum der Städte bestimmten, so die Cities heutiger Großstädte. Wolkenkratzer des Geldes und Handelns recken sich heute in die Höhe, als wollten sie – wie ihr Name sagt – am Himmel kratzen wie damals beim Turmbau zu Babel.

Ich beschreibe das so, um zu verdeutlichen, was ich meine. Die Priesterschaft des Gelds hat ihre heiligen Gewänder mit Nadelstreifenanzug, weißem Hemd und Schlips. Ins Allerheiligste gelangen nur Ausgesonderte durch Sicherheitsschleusen und Tresore, damit ja kein Unberufener ins Allerheiligste des Geldes eindringt. Das Geld ist die neue, heilige Mitte, um die sich die Moderne dreht. Hast du kein Geld, dann bist du ein Nichts! Doch hast du Geld, so öffnen sich dir alle Türen! Und wieder droht der unsichtbare Gott, der sich in dem kleinen Jesus offenbart hat, in Vergessenheit zu geraten.

Ohne Geld geht nichts. Keine Frage! Aber dürfen wir unser Herz daran hängen? Martin Luther warnte: „Woran du dein Herz hängst und dich darauf verlässt, das ist dein Gott.“ „Sie haben sich einen Gott aus Gold gemacht“, sagt Mose und fährt fort: „Vergib ihnen doch ihre Sünde.“ Sünde heißt zu verehren, was kleiner ist als ich selbst. Stierbilder sind kleiner als ihr Bildner. Das Geld ist kleiner als die Herren des Geldes. Geld sollen wir zwar gebrauchen, aber nicht verehren. Denn der lebendige Gott steht nicht unter den Menschen, sondern über ihnen.

Darum verhärten Gold und Geld das Herz des Menschen. Hart wird es im Kampf um seine Vermehrung und hart aus Angst vor seinem Verlust. Verhärtung aber des Herzens ist die Unfähigkeit zu glauben und zu lieben. Deswegen heißt hier die Frage: Geld oder Geist? Was bestimmt mich? Der Geist der Liebe und Güte in Jesus oder das Geld? Woran will ich heute mein Herz hängen?

Autor: Pastor Dr. Georg Gremels

 

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